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ARAYARA na Mídia: Kolumne: Warum unser Geld ein unterschätzter Hebel für den Klimaschutz ist

Nicht nur Fliegen oder Fleischkonsum zählen: Auch die Wahl der Bank ist entscheidend fürs Klima. Eine neue Studie zeigt, wie stark Banken fossile Projekte finanzieren – und wie groß unser Einfluss ist.

vom Recherche-Kollektiv Klima & Wandel

Die Klima- und Umwelt-Kolumne erscheint alle zwei Wochen – kritisch, nahbar, lösungsorientiert! Hier schreiben Elena Matera und Lisbeth Schröder im Wechsel.

Ich zahle so gut wie jeden Tag. Mal lege ich meine Bankkarte beim Bäcker auf, mal an der Kasse im Supermarkt. Ich buche online Konzerttickets, die nächste Bahnfahrt zu meinen Eltern nach Hamburg. Ich überweise jeden Monat meine Miete, zahle meine Handykosten und vieles mehr – ohne groß darüber nachzudenken.

Eine lange Zeit habe ich mich nie gefragt, was meine Bank eigentlich mit meinem Geld so macht, solange ich es nicht brauche. Erst vor ein paar Jahren begann ich mich wirklich damit auseinanderzusetzen. Und mir ist aufgefallen: Wenn wir über Nachhaltigkeit reden, geht es meist um weniger Fliegen und Autofahren oder vegetarische Ernährung. Alles wichtig. Aber die Bank? Die läuft oft einfach so mit, unbemerkt im Hintergrund.

Studie zeigt: Milliarden fließen in Öl- und Gasprojekte

Dabei liegt genau hier ein gewaltiger Hebel in Sachen Klimaschutz. Denn unser Geld liegt ja nicht einfach so unberührt auf dem Konto. Banken setzen es ein und oft tun sie das gegen unsere Zukunft.

Eine neue Studie von urgewald, einer deutschen Umwelt- und Menschenrechtsorganisation, die seit den 1990er-Jahren Finanzströme hinter fossilen Projekten aufdeckt, zeigt das besonders deutlich. Gemeinsam mit Partnerorganisationen hat urgewald analysiert, welche Banken und Investoren Öl- und Gasprojekte in Lateinamerika und der Karibik finanzieren. Denn gerade in diesem Teil der Welt sind derzeit besonders viele dieser Projekte geplant – von Brasilien über Mexiko bis Argentinien. Und gleichzeitig finden sich gerade dort einige der wertvollsten Ökosysteme der Erde, allen voran den Amazonas Regenwald.

Von Santander bis Deutsche Bank: Die Geldgeber hinter Öl und Gas

Das Ergebnis der Studie: Zwischen 2022 und 2024 haben 297 Banken zusammen 138,5 Milliarden US-Dollar an Unternehmen vergeben, die in Lateinamerika neue Öl- und Gasprojekte vorantreiben. An der Spitze liegt die spanische Santander mit fast zehn Milliarden US-Dollar, gefolgt von JPMorgan Chase aus den USA mit rund acht Milliarden, der Citigroup mit 7,9 Milliarden und der kanadischen Scotiabank mit 7,2 Milliarden. Auch die Deutsche Bank ist dabei: Sie steuerte 3,4 Milliarden US-Dollar bei und liegt damit auf Platz vier unter den europäischen Geldgebern.

Parallel zur Studie wurden auch zwei Online-Dashboards veröffentlicht, eines zeigt die geplanten Expansionsprojekte in der Region, das andere die Konzerne sowie die Banken und ihre Geldgeber, die hinter ihnen stehen.

Brasilien: Gastgeber der COP30 und Hotspot der Öl-Expansion

Besonders brisant ist die Lage ausgerechnet in Brasilien, im Gastgeberland der im November bevorstehenden Weltklimakonferenz COP30. Fast die Hälfte aller neuen Öl- und Gasvorkommen Lateinamerikas liegt dort. Präsident Luiz Inácio Lula da Silva betont international immer wieder die Klimaverantwortung seines Landes. „Wir streben eine Reduktion der Emissionen um 59 bis 67 Prozent an – und zwar für alle Treibhausgase und in allen Wirtschaftssektoren“, sagte er im Frühjahr auf dem Climate Ambition Summit.

Doch während Brasilien auf globaler Bühne immer wieder den Klimaschutz hervorhebt, gibt die eigene Erdölaufsichtsbehörde ANP selbst die empfindlichsten Regionen für Bohrungen frei, vom großen Amazonas-Riffsystem bis zu ehemals geschützten Regenwaldflächen. „Der Amazonas ist bereits gefährdet, und jetzt wird seine Zukunft verkauft, um für ein paar Jahrzehnte Öl dort zu fördern“, warnt Nicole Figueiredo de Oliveira, Geschäftsführerin der brasilianischen NGO Arayara. Der Staatskonzern Petrobras ist dabei der größte Einzelakteur: Fast ein Drittel aller neuen Öl- und Gasprojekte in Lateinamerika und der Karibik geht allein auf sein Konto.

All die Milliarden der Banken fließen in Projekte, die den Klimaschutz für Jahrzehnte blockieren und die Erderwärmung weiter anheizen. In Argentinien entsteht zum Beispiel die Pipeline Vaca Muerta Oleoducto Sur, finanziert mit einem Kredit von zwei Milliarden US-Dollar durch Banken wie JPMorgan, Citi und auch der Deutschen Bank. Sie soll die zweitgrößte Schiefergaslagerstätte der Welt mit dem Golf von San Matías verbinden, ein Meeresökosystem, mit artenreichen Fischbeständen, in dem Kolonien von Seelöwen leben und das ein wichtiger Lebensraum für Delfine und Wale ist. Auf dem artenreichen Ökosystem basiert auch Tourismus und Fischerei in der Region.

LNG-Terminals in Mexiko, Ölfeld Block 64 in Peru

Für die Banken ist die Vergabe von Krediten natürlich ein lukratives Geschäft, für die Region aber ein schwerer Eingriff in ein empfindliches Ökosystem. In Mexiko sind 19 neue LNG-Terminals geplant, vor allem am Golf von Kalifornien, einem Gebiet, das als „Aquarium der Welt“ gilt. 39 Prozent aller Meeressäugerarten leben dort. Statt Küstenschutz und Fischerei drohen nun also Fracking-Gas, Tankerflotten und Küstenzerstörung.

In Peru will der staatliche Ölkonzern Petroperú das umstrittene Ölfeld Block 64 im Regenwald erschließen – um Kredite bei der Deutschen Bank, Santander, HSBC und Bank of America zu bedienen. Betroffen sind 7600 Quadratkilometer Wald und die Heimat von 22 indigenen Gemeinschaften. Ihr Widerstand hält seit Jahrzehnten an. Doch weil Banken weiter fossile Projekte finanzieren, wächst der Druck auf den Konzern Petroperú, das Feld trotzdem auszubeuten. 92 Prozent der Finanzierung für diese fossile Expansion in Lateinamerika stammen aus dem Ausland, auch aus Europa, auch aus Deutschland.

Ohne Milliardenkredite gäbe es keine Bohrinseln, keine Pipelines, keine LNG-Terminals. Banken machen diese fossilen Projekte erst möglich. Und ja, wir sind alle Teil dieses Systems – mit jedem Konto, jedem Depot, jeder Kreditkarte. Doch genau hier liegt auch unsere Handlungsmöglichkeit. Wer zu einer nachhaltigen Bank wechselt, entzieht Kapital – und setzt ein Zeichen.

Nachhaltige Alternativen: Von GLS bis Tomorrow

Es gibt längst Alternativen – etwa die GLS Bank, die Ethikbank, die Umweltbank oder die Pax-Bank. Sie alle arbeiten nach strengen sozialen und ökologischen Kriterien und investieren das Geld ihrer Kund:innen in nachhaltige Projekte. Auch die Banking-App Tomorrow ist eine gute Option. Sie ist zwar keine klassische Bank, sondern arbeitet mit der Solarisbank zusammen, lässt sich aber komplett digital nutzen. Ein Teil der Gebühren fließt direkt in Klimaschutzprojekte, außerdem wird das Geld ausschließlich in nachhaltige Branchen investiert.

Einen guten Überblick über Banken und wie sie bei den Themen Klima, Menschenrechte und Transparenz abschneiden, bietet zum Beispiel der Fair Finance Guide. Dort lässt sich leicht erkennen, wie fair und nachhaltig Banken mit Geld umgehen.

Ohne Milliardenkredite gäbe es keine Bohrinseln, keine Pipelines, keine LNG-Terminals. Banken machen diese fossilen Projekte erst möglich. Und ja, wir sind alle Teil dieses Systems – mit jedem Konto, jedem Depot, jeder Kreditkarte. Doch genau hier liegt auch unsere Handlungsmöglichkeit. Wer zu einer nachhaltigen Bank wechselt, entzieht Kapital – und setzt ein Zeichen.

Der Wechsel zu einer anderen Bank ist auch gar nicht so kompliziert, wie man vielleicht denken mag. Denn seit 2016 sind Banken verpflichtet, beim Kontowechsel zu helfen. Daueraufträge, Lastschriften, Überweisungen – alles wird automatisch übertragen.

Nachhaltige Konten kosten meist zwischen drei und acht Euro im Monat – also ähnlich viel wie viele herkömmliche Girokonten. Der Unterschied: Das Geld wirkt für den Klimaschutz, nicht dagegen. Ich habe inzwischen mein privates Konto gewechselt. Es war einfacher, als ich dachte – und es fühlt sich gut an. Jedes Mal, wenn ich heute mit meiner Karte bezahle, will ich, dass mein Geld den Klimaschutz stärkt – nicht neue Pipelines im Regenwald.

Entdecken Sie die weiteren Ausgaben der konstruktiven Klima- und Umwelt-Kolumne

Foto: Reproduktion / RiffReporter

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